Start Jugend JG-Leben TIX!

TIX!

Es geht schon los, bevor es überhaupt losgeht. Acht Räder rattern über den gefliesten Boden eines Markendiscounters.

Wenn man nämlich als Junge Gemeinde zweieinhalb Tage unterwegs sein will, muss man ja auch irgendwie leben. Und zum Leben bzw. Überleben gehört Essen und Trinken. Da stellt sich die Frage, was und vor allem wie viel muss man einkaufen um unsere JG über das Wochenende zu versorgen. In unseren Einkaufwagen landen unter anderem Gemüse, Obst, Käse, Wurst, Butter, Grillgut, Brot, fünf Kilo Nudeln, Kekse, dazu 12 Gläser Pesto und natürlich Getränke.
Wir fahren in den Spreewald zum Paddeln! Was als T12-Tour im letzten Jahr begonnen hat, ist in diesem Jahr zur TIX-Tour zusammengeschrumpft. Aus drei VW-Bussen wurden zwei, die uns und unsere Sachen transportieren. Leider ist uns ein T3-VW-Bus nicht mehr verfügbar und wird dankenswerter Weise durch einen geräumigen Kombi ersetzt. Trotz des verringerten Fahrzeugbestands, wird mehr denn je eingeladen – insgesamt 18 Personen plus Sperrgepäck, wie Töpfe, Benzinkocher und aufgeblähte Isomatten. Unser erstes Ziel am späten Freitagnachmittag ist der Campingplatz am Briesensee. Für das Abendessen grillen wir Würste und Steaks. Diese Aufgabe übernimmt unser gruppeninterner Grillmeister, der auf sein Amt besteht und mit geübter Hand zur Sache geht. Des Nachts werden die Zelte aufgeschlagen, darunter auch ein beeindruckendes 8-Frau-Tibi. Am nächsten Morgen soll es zum Frühstück Semmeln geben. Die Bäckerei ist mit der Bestellung von 80 Stück verständlicher Weise leicht überfordert. Für’s Erste kann die Hälfte eingetütet werden.
Man mag es bei uns jungen Leuten kaum glauben, aber um 9.30 Uhr haben wir die Zelte abgebaut, die Zähne geputzt und sind abfahrbereit. Es geht nach Lübben zum Bootsverleih und vorher noch die restlichen Semmeln holen, die inzwischen gebacken sind. Während die einen das Gepäck auf den Anlegesteg bugsieren, manövrieren die anderen drei Kajaks und fünf Canadier heran. Alles muss wasserdicht verpackt werden in luftdichten gummierten Säcken und Taschen. Der Rest wird in großen Mülltüten verstaut. Unglaublich wie der riesige Haufen vom Steg in den Booten verschwindet. Dann stechen wir in die Spree. Etwa 20 Kilometer haben wir vor uns und bald auch hinter uns, mit einigen Pausen natürlich. Unterwegs bekommen Franzi, Feli und Micha zu spüren, wie schnell man kentern kann. Aus irgendeinem Grund kommen die Getränkekästen ins Rutschen, stoßen an die linke Flanke und bringen den Canadier gewaltig in Schieflage. Wasser strömt über die Bordwand. Schnell balanciert die Crew das Boot wieder aus. Katastrophe verhindert! Das eingedrungene Wasser wird mit Trinktassen ausgeschöpft und mit einem Schwamm aufgesaugt. Leider hat sich auch der Schlafsack unseres Herrn Pfarrers etwas vollgesaugt. Der war sträflicher Weise nicht in einen Müllsack eingepackt. Im Laufe der weiteren Fahrt gelingt es ihn wieder zu trocknen. Welch’ Glück! Wenig später werden unsere Mädels auf ihre Prinzessinnen-Qualitäten überprüft. Doch keine will den in einer Schleuse gefangenen Frosch küssen. Es wird lauthals gequiekt. Das kleine Tier hat Matze in Franzis Boot befördert. Und statt den verwunschenen Königssohn zurück zu verwandeln, ist Franzi aus ihrem Sitz geschnellt und kurz davor in die Dreckbrühe zu springen. Sie will ausreißen. Bevor es soweit kommt ist der Frosch wieder im Wasser verschwunden. Jetzt wird erst einmal durchgeatmet.
Keine Minute hätten wir länger Fahren dürfen, dann hätte uns ein heftiger Regen überrascht. Wir sind am Stauen-Fließ in der Nähe von Burg angekommen. Uns bleibt – Gott sei Dank – gerade noch Zeit die Zelte aufzubauen. Der überaus freundliche Zeltplatzbesitzer stellt uns sogar eine Plane mit Aufstellstangen zur Verfügung, damit wir im Trocknen stehen. Doch Wind und Regen peitschen so heftig, dass wir flüchten. Wir finden Unterschlupf auf der Veranda und können sogar eine lange Tafel stellen mit vier Tischen und 18 Stühlen. Toll, wie jeder seine Aufgabe findet, beim Zubereiten des frischen Salats, beim Wurst- und Käseschnippeln, beim Nudelnkochen oder Tischdecken. Anschließend wird Rommé geklopft im urigen und beheizten Gemeinschaftsraum – Luxus für einen Zeltplatz. Die wohlig Wärme und die Erschöpfung unserer Glieder lassen uns rasch die Augen zufallen.
Am nächsten Morgen haben sich die Regenwolken aufgelöst. Wir machen uns auf den Rückweg. Man hatte irgendwie darauf gewartet, es nicht gehofft und doch ist es passiert. Es kam so plötzlich wie unerwartet. Ein Mann geht über Bord. Carlo rutscht nach einer Pinkelpause, beim Einsteigen ins Kajak vom Uferrand ins Wasser. Als hätte er es gewusst, ist sein Smartphone in einer Gefriertüte eingehüllt. Das ist das Wichtigste. Die Klamotten kann man ja ausziehen. Und so groß wie das Gelächter, ist auch die Hilfe. Einer borgt seine Badehose ein anderer seine Wolljacke. Der kleine Schreck verhindert nicht, dass wir gleich danach eine kleine Piratenschlacht veranstalten. Es wird versucht die Schiffe der Gegner zu rammen, quer zu drehen oder sie ins Schilf zu drängen – ein Mordsgaudi. Doch die Piratenschlacht fordert ihren Tribut. Sie bringt uns ganz schön außer Puste und zehrt an unserer Muskelkraft. Wir bemerken, dass ein Paar dennoch mit Leichtigkeit vornweg eilen und manche kämpfen, um am Ende der Karawane dran zu bleiben. Die unausgelasteten und übermütigen Jungs verteilen sich wie von selbst auf die Boote, um ein Kräftegleichgewicht herzustellen. Denn wenn alle gleich gut vorwärts kommen und man im Pulk fahren kann, macht es am meisten Spaß. Und so treffen wir wohl behalten in Lübben ein und fahren wieder heim.

 
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